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Im Viereck Schönebergs – in der Raute von Wittenbergplatz, Nollendorfplatz, Viktoria-Luise-Platz und Augsburger Straße –, ist immer was los. Das Berliner Kiez ist regenbogenbunt, traditionsbewusst und multikulturell. Was könnte in dieses Setting also besser passen als ein israelisches Restaurant mit moderner, sephardischer Küche? Eben. Das Feinberg’s in der Fuggerstraße bietet neben koscheren Leckereien, Hummus und Falafel natürlich auch deftige Fleischgerichte, Fisch und tolle Lavastein-Spezialitäten. Wir hatten das Lokal bereits im Oktober als eines von 5 Restaurants für koscheres Essen in Berlin vorgestellt. Und weil es uns so gut gefallen hat, sprechen wir jetzt mit Yorai Feinberg, dem Namensgeber und Besitzer des hübschen Lokals mit den roten Ziegelwänden über sein Lieblingsessen, das Schächten und den Reiz der israelischen Cuisine.


Yorai, du bist in Jerusalem geboren, hast in London klassischen Balletttanz studiert, warst in Tokio, Paris und Wien und hast schließlich 2013 in Berlin das Feinberg’s in Berlin-Schöneberg eröffnet. Wie kam es dazu?

Ich liebe israelisches Essen! Es ist wahrscheinlich eine der vielfältigsten Küchen der Welt, denn es ist ein echter Mischmasch aus europäischen, arabischen, asiatischen Einflüssen – Juden brachten eben überall von da, wo sie lebten, auch unterschiedliche Ideen, Rezepte und Zutaten mit. Es ist außerdem eine sehr gesunde Küche, die ich auf langen Reisen immer sehr vermisse.

Dein Restaurant in der Fuggerstraße gehört zu den besten israelischen Restaurants der Stadt. Wie hältst du diesen Standard?

Ich denke, das wichtigste ist, dass ich alles selber gemacht habe – und immer wieder mache. Ich kenne jedes Rezept und auch jedes Problem, das während der Zubereitung passieren kann, Ich weiß genau wie lange etwas braucht. Zudem kenne ich meine Gäste so gut, dass ich sie mittlerweile meine Freunde nennen kann und kenne somit natürlich auch ihre Wünsche. Und diese Standards vermittle ich natürlich ebenfalls an mein Personal. Auf der anderen Seite weiß mein Personal, dass ich immer für sie da bin, um sie zu unterstützen – vor allem während der Peaks bei der Arbeit – und wenn sie mal nicht arbeiten können und ausfallen, nehme ich mir die Zeit für den richtigen Ersatz. Zugegeben, manche Gäste bzw. Freunde nennen mich einen Autisten; das ist vermutlich eine Charaktereigenschaft, die ich mir während meiner Ballett-Karriere angeeignet habe – die Aufmerksamkeit auf kleine Details, Perfektion.

Chamin/Tscholent gibt es auch in einer sephardischen Variante - mit harten Eiern. Quelle: Restaurant Feinberg’s.

Chamin/Tscholent gibt es auch in einer sephardischen Variante – mit harten Eiern. Quelle: Restaurant Feinberg’s.

Warum sollten Berliner eigentlich mehr Israelisch essen, und warum am liebsten in deinem Restaurant?

Ein kluger Mann hat einmal gesagt: „Nicht das Horten von Hab und Gut macht glücklich, sondern die Erfahrungen.“ Und welche Erfahrung ist schöner als die, eine neue Küche zu entdecken? Die Mehrheit der Berliner findet das Essen in meinem Restaurant einfach richtig gut, ein echtes Erlebnis. So haben mir beispielsweise letztens mehrere Israelis gesagt, ich hätte den besten Hummus, den sie jemals in ihrem Leben gegessen hätten, und – worauf ich auch richtig stolz bin – das meinten sogar Gäste aus Dubai und Saudi-Arabien. Wenn einer zum ersten Mal eine Ballettaufführung sehen will, schicke ich ihn eben zum Staatsballett Berlin – und nicht zu einer Gemeindezentrum-Aufführung. So ähnlich ist es auch beim Essen. Wir tun unser Bestes, um den Gästen die jüdische Küche und die Kaschrut-Gesetze näher zu bringen. Das macht den Besuch bei uns zusätzlich besonders.

Und apropos “besonders”: Was sind deine persönlichen Favoriten – was isst du gerne und was kannst du empfehlen?

Oh, das hängt ganz von meiner Stimmung ab. Chamin* passt beispielsweise sehr gut zu regnerischen Tagen – und wenn ich nichts weiter vorhabe, denn es handelt sich dabei um eine eher deftige, schwere Mahlzeit. Und dann wäre da natürlich noch der Falafel, bei weitem der beste Falafel, den ich selbst je gegessen habe, den kann ich auch sehr empfehlen. Der ist leicht, lecker – und sogar vegan!

Üppig! Diese Falafelplatte hat es ganz schön in sich. Quelle: Restaurant Feinberg’s.

Üppig! Diese Falafelplatte hat es ganz schön in sich. Quelle: Restaurant Feinberg’s.

Wenn wir schon beim Thema “Vegan” sind. Was hältst du vom Schächten**?

Als Tierfreund muss ich zugeben, dass ich Fleischessen nicht so gut finde – obwohl ich selbst durchaus Fleisch esse. Ich denke, dass die Tierhaltung heutzutage grundlegend modernisiert werden muss, und dass man seinen eigenen Fleischkonsum – wenn nicht konsequent einstellen –, immens reduzieren oder zumindest überdenken sollte. Hast du dir auf Facebook oder YouTube mal die Bilder oder Videos von Schlachtereien angesehen? Es ist teilweise unbeschreiblich böse bzw. es fühlt sich einfach nicht richtig an, was da geschieht. Auf der anderen Seite kann ich verstehen, wenn ein Fleischesser sauer wird, wenn ihm ein Veganer das Fleischessen verbietet. Und genauso wenig ist der koscher essende Jude glücklich, sobald er durch ein Schächtungsverbot indirekt dazu gezwungen wird, auf Fleisch zu verzichten.

Kaum zu glauben, aber es gibt auch koschere Schnitzel, klar! Quelle: Restaurant Feinberg’s.

Kaum zu glauben, aber es gibt auch koschere Schnitzel, klar! Quelle: Restaurant Feinberg’s.

Man sollte nicht vergessen, dass die Schächtung für die damalige Zeit vor allem eins bedeutet hat: Klare Gesetze für die Tierhaltung. Und die haben die generelle Einstellung zu Tieren komplett revolutioniert. So darf ein Tier beispielsweise nicht verletzt oder krank sein bei der Schächtung. Das hat somit zu einer verbesserten Tierhaltung geführt. Das Problem ist nur, dass diese Gesetzgebung eine heutige Betäubung ebenfalls nicht erlaubt. Dabei ist Tierquälerei strengstens untersagt und selbst bei der Jagd verboten. Ein anderer positiver Aspekt an der Schächtung ist der finanzielle: Das Endprodukt ist aufgrund seiner Herstellungskosten extrem teuer – dadurch verringert sich automatisch schon der Fleischkonsum.

Vielen Dank, Yorai.

 

 

*Ebenso: Tscholent oder Tschulent. Ein traditionelles Eintopfgericht der aschkenasischen jüdischen Küche; dieses wird üblicherweise freitags, vor Schabbatbeginn, zum Kochen gebracht und bei geringer Hitze bis zum Samstagmittag fertig gegart. Essentielle Zutaten eines Chamins sind u.a. Rindfleisch, Bohnen, Graupen und Kartoffeln. Das Gericht kennt aber viele weitere, regional voneinander abweichende Variationen.

**Schächten oder Schechita – das rituelle Schlachten von koscheren Tieren. Hier wird mit einem speziellen Messer dem Tier ein einziger großer Schnitt quer durch die Halsunterseite zugefügt, mit dem das rückstandslose Ausbluten des Tieres gewährleistet werden soll. Schächten gilt als umstrittene Schlachtmethode, da die Schlachtung ohne vorherige Betäubung des Tieres geschieht.

 

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Alexander Winter

Winter is coming – und er ist hungrig. Von Geburt an ein, wie seine Mutter beteuert, guter Esser, der nie genug haben kann von Vorspeise, Hauptgericht und Dessert, fühlt sich bei Quisine natürlich pudelwohl. Winter schrieb für diverse Magazine und Zeitungen, streckte seine große Nase nicht nur in den einen oder anderen Kochtopf, sondern auch ins Verlagswesen und in diverse Werbeagenturen und isst bis heute gern (und viel). Und das als Veganer. Wer hätte das gedacht?

Lieblingsküche: Asiatisch
Lieblingsessen: Egal was. Hauptsache mit Erdnuss-Sauce
Kocht am liebsten selbst: Was noch im Kühlschrank übrig ist

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